Dom Mariä Heimsuchung (Augsburg)

Die Hohe Domkirche Mariä Heimsuchung (Augsburger Dom) ist die Kathedrale des Bistums Augsburg und Stadtpfarrkirche der Dompfarrei Zum Heiligsten Herzen Jesu. Neben der Basilika St. Ulrich und Afra gilt der Dom als bedeutendster Kirchenbau und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt Augsburg. Die Ursprünge des Domes werden auf das 8. Jahrhundert datiert.

Der Dom liegt innerhalb der Stadtmauern der ehemaligen römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum. Unter dem romanisch-gotischen Dom konnten Fundamente aus dem 4. Jahrhundert ergraben werden (1978/79), die möglicherweise auf eine frühchristliche Kirche und einen Bischofssitz hinweisen. Allerdings wurden hierfür bisher noch keine Nachweise in den Quellen gefunden. Auf eine christliche Gemeinde dieser Zeitstellung deutet nur eine Grabinschrift, die im Bereich der ehemaligen Johanneskirche neben dem Dom gefunden wurde.
Die ersten nachweisbaren Dombauten entstanden unter den Bischöfen Wikterp († um 772) und Sintpert, dessen Bischofskirche 805 geweiht wurde. Die erste urkundliche Erwähnung des Mariendomes stammt von 822. Die Beschädigungen infolge der Ungarneinfälle ließ Bischof Ulrich ab 923 beseitigen. Der Westbau stürzte 994 ein, zwei Jahre später begann Bischof Liutold mit Unterstützung der Kaiserin Adelheid – die den Einsturz angeblich in einer Vision vorausgesehen haben soll – mit dem Neubau. Dieser begann mit Westchor und nördlichem Querhaus und war wohl im Jahr 1006 fertiggestellt; er bildet den Kern des heutigen Domes (Mittelschiff). Erste größere Baumaßnahmen gab es unter Bischof Heinrich II.; ihr genaues Ausmaß ist unklar, gesichert ist aber, dass es sich hierbei um Veränderungen an einem vollständigen Bauwerk handelte und nicht um die Fertigstellung eines unterbrochenen Baus handelte. Abgeschlossen waren diese Umbauten unter Heinrichs Nachfolger Embriko, der 1065 einen Hauptaltar im Westchor weihte. In einer weiteren Baumaßnahme wurde um das Jahr 1178 das komplette Quer- und Langhausdachwerk ersetzt.
Ab 1331 erweiterte man den romanischen Dom in gotischen Stilformen. Bischof Markward legte 1356 den Grundstein für den mächtigen Ostchor, der erst 1431 vollendet war. 1537–1548 verwüsteten die protestantischen Bilderstürmer das Gotteshaus. Die zerstörte Ausstattung wurde während der Gegenreformation allmählich ersetzt. Im Jahre 1565 erhöhte man den Nordturm. 1655–1658 wurde das Dominnere in barocken Formen um- und ausgestaltet. Später kamen noch einige Kapellenanbauten hinzu. Erhalten hat sich hiervon jedoch nur der Zentralbau der Marienkapelle am Kreuzgang.
1808/09 brach man die Bebauung südlich der Kathedrale ab und legte einen Parade- und Exerzierplatz an. Von 1852 bis 1863 wurde die Barockausstattung beseitigt und der Dom im Sinne der Neugotik rückgebaut. Die historisierende Ausstattung ergänzte man durch den Zukauf und die Umsetzung bedeutender mittelalterlicher Gemälde und Plastiken. 1934 wurde die mittelalterliche Raumgestalt rekonstruiert und die Farbfassung wiederhergestellt, um die neugotischen Aspekte des Domes zu reduzieren. Im Zweiten Weltkrieg blieb der Dom weitgehend verschont. Am schwersten wurde die Marienkapelle getroffen, auch der Kreuzgang erlitt Schäden. Das Innere wurde 1983/84 umfassend restauriert und saniert. Am Außenbau ersetzte man die Bauteile aus Sandstein in den letzten Jahrzehnten weitgehend. Das neue Bronzeportal am Chor konnte 2001 geweiht werden.
Von weiten Teilen der Augsburger Innenstadt lassen sich die beiden Glockentürme des Hohen Domes erblicken. Sie gehören mit 62 Metern Höhe neben der Basilika St. Ulrich und Afra und dem Perlachturm zu den höchsten Gebäuden in der historischen Altstadt von Augsburg.
Auf den Resten älterer Gebäude wurde von Bischof Simpert um das 8. Jahrhundert ein Dom erbaut. Im Jahr 994 stürzte der Bau ein. Der daraufhin bis um 1065 erbaute Dom ist der Ursprung des heutigen Gebäudes. Die beiden Kirchtürme, die noch heute bestehen, wurden bis 1075 fertiggestellt. Im 14. Jahrhundert erfolgte der Umbau im Stil der Gotik.
Im Laufe der Jahrhunderte erlebte der Augsburger Dom zahlreiche Umbauten, wobei viele Kunstschätze verloren gingen. Die letzten bedeutenden Umbaumaßnahmen fanden 1863 statt, als der Dom im Stil der Neugotik umgebaut wurde.
Der Dom ist 113,25 m lang und das Langhaus 38,70 m breit. Das Höhe des Mittelschiffs beträgt 17,80 m und die des Presbyteriums des Ostchors 28 m.
Der Augsburger Dom ist eine lang gestreckte, fünfschiffige Basilika mit einem östlichen Umgangschor und einem einschiffigen Westchor. Der Westapsis ist ein Querhaus vorgelagert. Die beiden romanischen Türme vor dem Ostchor sind aus Bruchsteinen aufgemauert und werden durch Lisenen und Bogenfriese gegliedert. Den Abschluss bilden hohe Spitzhelme mit Dreiecksgiebeln.
Die doppelten Seitenschiffe der Langhaussüdseite aus unverputztem Ziegelmauerwerk werden außen von einfachen Strebepfeilern gestützt. Die quergestellten Satteldächer über den Gewölben sind hinter dreieckigen Zinnengiebeln verborgen. Das offene Strebesystem ist in der Dachzone versteckt. Die ursprünglichen Fensteröffnungen der schmucklosen Hochschiffwand wurden vermauert.
Der gotische Ostchor ist weiß verputzt, die reiche Architekturgliederung steinsichtig belassen, aber größtenteils erneuert. Bedingt durch einige Planungsänderungen vermittelt der Chorbau einen „unfertigen“ Eindruck. Die Architektur folgt im Grundriss dem „französisch-kathedralen“ Grundmuster, der basilikale Mittelraum wirkt hingegen plump und wie eine Notlösung. Die Dachflächen über den Kapellen sind weit nach oben gezogen, geschlossene Strebemauern stützen den Obergaden an Stelle offener Strebebogen.
Diese „unbeholfene“ Chorlösung mit ihrer unorganischen Verbindung von Umgang und Chorschluss irritiert vor allem durch die fensterlosen oder nur durch kleine Fensteröffnungen belichteten kahlen Wandflächen. Ursprünglich war offenbar auch ein offenes Strebesystem vorgesehen, es wäre also ein „klassischer“ Kathedralchor französischen Schemas entstanden. Einige Kunsthistoriker interpretieren die unbefriedigende Chorlösung des Domes als das Ringen traditioneller Kräfte mit den Verfechtern modernerer spätgotischer Raumlösungen. Vielleicht spielte auch die Tradition aufwendiger Musikzüge mit zahlreichen Singchören hier eine Rolle, so dass etwa ein Triforium die Akustik negativ beeinflusst hätte. Dennoch ist hier eine durchaus originelle und einmalige Chorlösung entstanden, die sich vom Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd und vom Veitsdom in Prag deutlich abhebt.
Mangels Quellen lässt sich auch über die Frage der Baumeister nur spekulieren. Die Qualität der Architektur des Chorumganges mit seinen reichen Kapitellformen beweist allerdings die Beteiligung hochrangiger Kräfte westlicher Schulung. Neuere Forschungen weisen hier auf Heinrich Parler, den ehemaligen Parlier des Kölner Domes. Allgemein wird der Kölner Domchor als Vorbild für Augsburg angesehen.
Das prachtvolle Südportal (um 1356) am Ostchor wendet sich als Schaufassade der bürgerlichen Reichsstadt zu. Die Vorhalle liegt zwischen zwei Strebepfeilern und wird durch Maßwerkblenden und -friese gegliedert. Der Skulpturenschmuck ist größtenteils verwittert oder erneuert. In den Gewänden des Portals stehen Apostelfiguren, am Mittelpfeiler die Gottesmutter. Das dreiteilige Tympanon zeigt vielfigurige Szenen aus dem Marienleben. Der Südeingang ist die aufwendigste Portalanlage des 14. Jahrhunderts in Süddeutschland. In Konzeption und Ausführung lassen sich Parallelen zum Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd erkennen. Das Nordportal ist wesentlich einfacher gestaltet und nahezu vollständig erneuert. Der künstlerische Rang des Originales lässt sich deshalb nur noch erahnen. Das originale Tympanon wurde auf der Rückseite im Dominneren geborgen. Es zeigt die Anbetung der Könige, die Verkündigung und Geburt Christi sowie den Tod und die Krönung Mariae. Eine Inschrift am Mittelpfeiler datiert das Portal auf 1343. Im Norden fügt sich der Klausurbezirk mit dem Kreuzgang an das Langhaus an. Vom nördlichen Seitenschiff aus ist die barocke Marienkapelle im Winkel zwischen Kreuzgang und Kirche zugänglich.
Durch das Südportal gelangt man in die zweischiffige Chorhalle. Rechts schließt sich der Umgang mit den Kapellen an. Hinter den steinernen Chorschranken mit ihren Maßwerkbrüstungen liegt das – leicht erhöhte – Presbyterium des Ostchores. Die Kreuzrippengewölbe des Hochchores ruhen auf dreifachen Diensten bzw. Blattkonsolen, die Gewölbe des Umganges auf einfachen Diensten. Im Norden des Umgangs sind zwei Kapellen auf halber Höhe abgemauert und dienen als Sakristei. Den ungewöhnlichen Abschluss des Hochchores bildet ein großes Ostfenster im Obergaden, dessen bildhafte Wirkung vielleicht auf Anregungen der zeitgenössischen Zisterzienserarchitektur zurückzuführen ist.
Das Mittelschiff des Langhauses geht noch auf den ottonischen Dom zurück, dem die gotischen Kreuzrippengewölbe aufgesetzt wurden. Der Gewölbescheitel liegt unterhalb der einstigen Flachdecke. Die figürlichen Schlusssteine zeigen die Propheten, ein Wappen, einen einbeinigen Meermann und den hl. Johannes. Links und rechts schließen sich die Hallenräume der doppelten Seitenschiffe an, deren Gewölbe von Rundpfeilern getragen werden. Die Wandflächen werden durch eine aufgemalte rote Quaderung gegliedert.
Unter dem Westchor liegt die Doppelkrypta, die 1979–1981 rekonstruiert wurde und als Grablege der Bischöfe dient. Sie ist den zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus geweiht und enthält Freskenfragmente aus dem 13.–16. Jahrhundert. Im älteren Westteil tragen vier Säulen die Decke. Auch die Kreuzgratgewölbe der vierschiffigen Ostkrypta (Mitte 12. Jahrhundert) werden von kurzen Säulen gestützt.
Der darüber liegende Westchor ist gegenüber dem Langhaus um einige Stufen erhöht. Die Kreuzrippengewölbe sitzen hier auf Konsolen mit figürlichen Darstellungen, Masken und Blattwerk. Die seitlichen Chorschranken schuf Burkhard Engelberg im Jahr 1501. Unter Maßwerkbrüstungen liegen Blendfelder mit reichen Kompositionen aus Fischblasen über Spitzbogenarkaden. Kielbogenportale ermöglichen den Zugang in den Chor.
Die mittelalterliche Ausstattung wurde durch den Bildersturm der Reformationszeit stark reduziert. Im Zuge der Regotisierung im 19. Jahrhundert entfernte man die nichtmittelalterlichen Ausstattungsstücke weitgehend und ergänzte den Bestand durch Zukäufe aus dem Kunsthandel und Umsetzungen aus anderen Kirchen. 1934 purifizierte man die neugotische Ausstattung radikal. Diese „Enthistorisierung“ wirkte noch bis in die Siebziger Jahre nach, als die originalen Baldachine (um 1430) des Chorgestühles für neugotische Nachschöpfungen gehalten und abgebaut wurden (1970/71).
Die fünf Glasgemälde der südlichen Mittelschiffswand sind der Rest einer umfangreicheren Serie, vielleicht einer Apostelfolge. Erhalten sind die Darstellungen der Propheten Jonas, Daniel, Hosea, David und Moses. Die Datierung des Fragmentes ist umstritten. Einige Kunsthistoriker bringen die Bilder mit der Hirsauer Buchmalerei des frühen 12. Jahrhunderts in Verbindung, andere setzen die Entstehung bereits im ausgehenden 11. Jahrhundert an. Der Zyklus gilt als ältestes Beispiel seiner Art in Europa. Louis Grodecki (1910–1982), einer der bedeutendsten Kenner der romanischen Glasmalerei, zählte die Standfiguren zu den kostbarsten des gesamten Mittelalters. Die Fenster sind etwa 2,20 m hoch. Drei der Scheiben sind nahezu original überkommen, die Figur des Moses dürfte nach neueren Forschungen eine weitgehende Nachschöpfung (um 1550) sein. Auch die Scheibe mit der Jonasdarstellung ist teilweise ergänzt.
Prophet Jonas
Prophet Daniel
Prophet Hosea
König David
Moses
Die gemalten Friese über den Seitenschiffarkaden entstanden Mitte des 11. Jahrhunderts und zeigen Mäander, Brustbilder von Personen in römischer Kleidung und Vögel mit Blumenmotiven.
Die neugotischen Altäre bergen einige bedeutende mittelalterliche Ölbilder und Skulpturen. Am Kreuzaltar ist ein großes fränkisches Kreuz (um 1510) zu sehen, das Relief der Predella mit der Beweinung Christi entstand gegen 1520 in einer bayerischen Werkstatt. Die Tafelbilder der Altäre der vier östlichen Pfeiler malte Hans Holbein der Ältere im Jahr 1493. Die Tafeln waren ursprünglich wohl als Flügel eines Altars für das Kloster Weingarten vorgesehen. Dargestellt sind das Opfer Joachims, die Geburt und der Tempelgang Mariä sowie die Beschneidung Christi. Zur Neuverwendung mussten die Gemälde allerdings gespaltet werden.
Die Gegenstücke auf der westlichen Seite schuf Jörg Stocker aus der Ulmer Schule (Zuschreibung) um 1484 für den Hochaltar der Pfarrkirche in Unterknöringen. Hier erkennt man die Geburt Christi, die Anbetung der Könige, den Marientod und die Marienkrönung. Stocker verwendete als Vorlage einige Stiche des Colmarer Meisters Martin Schongauer.
Aus der säkularisierten Dominikanerkirche St. Magdalena kam eine bedeutende Skulptur Georg Petels in die Kathedrale. Die lebensgroße Darstellung des leidenden Christus mit der Dornenkrone (1630/31, Ecce homo) ist mehrfarbig gefasst (bemalt) und lässt den Einfluss der Kunst des Peter Paul Rubens erkennen.
An den Turmwänden und der Chorsakristei sind 19 Originalfiguren aus der Mitte des 14. Jahrhunderts angebracht, die ehemals das Nordportal zierten.
Die moderne Kanzel aus Rotmarmor entstand 1946 (Karl Killer).
Den Hochaltar schuf Josef Henselmann 1962 aus Bronze, die seitlichen Figuren wurden 1982 ergänzt. Das einfache Gestühl entstand um 1430.
Der Altarraum wird durch steinerne Chorschranken vom Umgang getrennt. Der Ölberg an der südlichen Schranke zeigt Tonfiguren Veit Eschays (1591).
Die sieben Umgangskapellen werden durch schmiedeeiserne Gitter abgeschlossen. Die Altäre bergen in ihren meist neugotischen Aufbauten bedeutende ältere Kunstwerke. Vom „Meister der Freisinger Heimsuchung“ stammt die Tafel im Altar der Konradkapelle (Mariä Heimsuchung, um 1495). Christoph Amberger war der Schöpfer der thronenden Muttergottes (1554) in der St.-Wolfgangs-Kapelle. Das Triptychon Christoph Ambergers war ursprünglich als Ersatz des während der Reformation zerstörten Hochaltares Holbeins in Auftrag gegeben worden, dessen Gestalt nur noch durch den erhaltenen Entwurf im Stadtmuseum in Gdańsk überliefert ist. Ambergers Altar zeigt die Madonna zwischen den Heiligen Ulrich und Afra (Flügel). Darunter werden die sieben Begleitfiguren der Afra-Legende gezeigt.
An den Wänden sind Bischofsgrabmäler aufgestellt. In der St.-Konrad-Kapelle stehen etwa das Erzgrabmal Wolfhard von Roths († 1302), der im Chor bestattet wurde und Johann Eglof von Knöringens († 1575). Der Gedenkstein des Kardinals Peter von Schaumberg († 1469) in der St.-Augustinus-Kapelle zeigt den Verstorbenen als Skelett.
Dem „Meister der Münchner Frauenkirche“ wird ein Glasfenster in der Gertrudkapelle zugeschrieben. Die Scheiben zeigen in Medaillons die Passion Christi, im Maßwerk die Auferstehung.
Die achte Kapelle ist dem hl. Lukas geweiht. Hinter der zweischiffigen Staffelhalle öffnet sich das Südportal. Im Osten steht ein großer Rotmarmoraltar (1597) mit dem Relief des Gnadenstuhls nach einem Gemälde von Peter Candid, das in der Chorsakristei aufbewahrt wird.
Ein im Krieg zerstörtes großes Fenster von Josef Oberberger wurde 1954 vom Künstler erneuert. Es stellt die Heimsuchung Mariens im Lebensbaum dar. Von 1962 bis 1967 fertigte Oberberger acht hohe Glasfenster im Ostchor und im Kapellenkranz um den Ostchor an. Der Glaszuschnitt all dieser Fenster war frei, ohne Schablonen. Die Glasmalereien bestehen aus farbigen Rauten, Quadraten und Kreuzornamenten und zeigen als Motive St. Augustinus, St. Konradus und zwei Gebotstafeln.
Blickfänge im südlichen Querhaus sind die riesige Darstellung des hl. Christophorus an der Westwand (1491) und das große Glasfenster im Süden (um 1330/40) mit der Darstellung Marias als „Thron Salomonis“. Im Jahre 2010 wurden weitere drei große farbige Glasfenster, die der Künstler Johannes Schreiter aus Langen entworfen hatte, durch die Firma Derix-Glasstudios aus Taunusstein-Wehen eingebaut.
Im Westen öffnet sich der Zugang zur Andreas-(Gruft)kapelle, einem gotischen Gewölberaum, der als Andachtsstätte Verwendung findet.
An den Wänden des nördlichen Querarmes hängt eine stattliche Galerie von Bischofsportraits, die 1488 begonnen und 1591 erneuert wurde und noch weitergeführt wird. In der Mitte des Raumes steht das Hochgrab für Konrad und Afra Hirn, das ehemals in der Goldschmiedekapelle der Kirche St. Anna aufgestellt war. (Zuschreibung an Meister Ulrich, 1425). An den Wänden stehen die Grabplatten der Bischöfe Walter von Hochschlitz († 1369) und Friedrich Spät von Faimingen († 1331).
Der erhöhte Westchor wird durch die steinernen Chorschranken (1501) von den Querhäusern separiert. In ihm steht der steinerne Bischofsthron aus dem 11. Jahrhundert. Zwei kauernde Löwen tragen den halbrunden Sitz. Das Chorgestühl mit seinen bedeutenden Schnitzereien wurde 1495 gearbeitet. Die hintere Reihe trägt Heiligendarstellungen, vorne sind alttestamentliche Szenen zu erkennen. Das bronzene Altarretabel (1447) ist der ehemalige Hochaltar des Ostchores.
→ Hauptartikel: Bronzetür des Augsburger Domes
Das berühmte romanische Bronzeportal des Vorgängerdomes wird seit 2002 im neuen Diözesanmuseum gezeigt.
Im Dom zu Augsburg gibt es zwei große Orgeln: Die Marienorgel und die Magnifikat-Orgel.
Die Marienorgel wurde 1904 von dem Orgelbauer Franz Borgias Maerz erbaut. Das Kegelladen-Instrument hat 36 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind pneumatisch. Eine Restaurierung durch Rudolf Kubak erfolgte jeweils in den Jahren 1986 und 2014.
Die Magnifikat-Orgel wurde 1988 von dem Orgelbauer Rudolf Kubak (Augsburg) erbaut. Das Instrument hat 42 Register auf drei Manualen und Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.
Im Südturm des Doms hängt ein sechs-stimmiges Geläut.
Im Nordturm hängen zwei Bienenkorb-Glocken (sog. Theophilus-Glocken). Auf ihrer Haube haben sie vier Öffnungen (sog. Foramina, zur Erzeugung schellenhafter Nebengeräusche). Ihr Guss erfolgte in der Zeit zwischen 1070 und 1075, der Zeit, als die Domtürme erhöht wurden. Beide Glocken erklingen nur zu besonderen Anlässen und werden von Hand geläutet.
Diese beiden historischen Glocken werden auch als „Silberglocken“ bezeichnet – mit Blick darauf, dass sie auch zur Empfangnahme der Präsenzgelder der Domherren geläutet wurden.
Die Marienkapelle entstand 1720/21 nach Entwürfen des Graubündner Baumeisters Gabriel de Gabrieli. Der runde Zentralraum wird durch kurze, nischenartige Kreuzarme erweitert und von einer Laternenkuppel überspannt. Die Kapelle wurde 1944 durch einen Bombentreffer beschädigt, 1987/88 aber rekonstruiert. Deshalb sind auch die Kuppelfresken weitgehend Nachschöpfungen. Die Originale stammten von Johann Georg Bergmüller, dem Direktor der reichsstädtischen Kunstakademie. Dargestellt sind Szenen aus dem Marienleben, die gleichzeitig als Allegorien der vier Jahreszeiten zu deuten sind. Die Gemälde werden von feinem Bandelwerkstuck gerahmt. Als Vorlage für die Wiederherstellung diente eine Kupferstichfolge Bergmüllers.
Gabrielis Entwurf (1720) erinnert an die böhmisch-schlesische Architekturtradition kurvierter Grundrisse und fand ihren Nachfolger in der Schönborn-Kapelle des Würzburger Domes, die Balthasar Neumann nur wenig später (1722/23) entwarf.
Der Säulenaltar stammt aus der Bauzeit. Der Skulpturenschmuck von Ehrgott Bernhard Bendl zeigt die Verwandtschaft Jesu, etwa die hll. Josef, Joachim und Zacharias. Die Mittelnische birgt eine bemerkenswerte Sandsteinstatue der Muttergottes, eine Augsburger Arbeit der Zeit um 1340. Das große Schutzengelbild an der Westwand malte Johann Georg Bergmüller (bez. 1714).
Der rekonstruierte Raum, der nach der Kriegszerstörung ursprünglich als Kriegergedächtnisstätte diente, steht in deutlichem Kontrast zur mittelalterlichen Architektur und Ausstattung der Kathedrale. In der Innenstadt Augsburg finden sich sonst nach den verheerenden Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges nur noch wenige Zeugnisse sakraler barocker Dekorationskunst.
Der spätgotische Kreuzgang entstand ab 1470 durch einen Umbau der älteren Vorgängeranlage, deren Südflügel bereits im 14. Jahrhundert als äußeres Seitenschiff in das Langhaus des Domes einbezogen worden war. Ausführender Werkmeister war Hans von Hildesheim. Erst 1510 konnten die Bauarbeiten unter Beteiligung Burkhard Engelbergs vollendet werden.
Die drei Flügel besitzen Netz- und Sterngewölbe auf Pyramiden- bzw. Maskenkonsolen (Ostflügel). Die südlichen Joche des Westflügels werden von einem gedrückten Tonnengewölbe überspannt, das auf den Umbau zum Vorraum der Marienkapelle (gegen 1720) zurückgeht.
Die Schlusssteine zeigen meist die Wappen der Stifter, einer das Relief der Heimsuchung, ein anderer die Darstellung der Muttergottes mit dem hl. Johannes. Die Fenstermaßwerke sind größtenteils erneuert. Die Figurationen zeigen Fischblasen, Kreissegmente und überkreuzte Stäbe.
Besondere Bedeutung erlangt der Augsburger Domkreuzgang durch die in ungewöhnlich großer Anzahl erhaltenen Grabplatten und Epitaphien. 401 Monumente von teilweise bedeutenden Meistern der schwäbischen Spätgotik und Renaissance sind erhalten, die Zuschreibungen teilweise allerdings umstritten. Der Bestand gilt als der reichhaltigste Deutschlands, viele Denkmale sind allerdings beschädigt oder abgetreten.
Die Katharinenkapelle (1300) ist vom Westflügel aus zugänglich. An das quadratische Kapellenjoch mit seinem Kreuzgewölbe fügt sich ein dreiseitig geschlossener Chor mit Strebepfeilern. Im Inneren sind fünf Reliefs aus Solnhofener Kalkstein in die Ostwand eingelassen, die Szenen aus dem Marienleben illustrieren.
Direkt neben dem Augsburger Dom wurde vom Bistum ein Diözesanmuseum errichtet, um dort den Domschatz und weitere kirchliche Kunstwerke auszustellen. Entwickelt wurde das Museum in teilweise historischem Baubestand und in einem Neubau. Im Jahr 2000 eröffnet, ist dort beispielsweise die originale Bronzetür, das älteste Kunstwerk des Doms, zu finden.
Auf dem Vorplatz des Augsburger Doms befindet sich die so genannte Römermauer. Sie besteht aus einer 1954 errichteten Backsteinmauer mit einer schlanken Stahlüberdachung. In die Mauer eingelassen sind Funde aus der Zeit des römischen Augsburgs. Aus konservatorischen Gründen werden dort nur Nachbildungen gezeigt.
Im Juli 2013 hat ein 26-jähriger Mann zwei spätgotische Fenster des Augsburger Doms durch Steinwürfe beschädigt. Der Schaden wurde mit über 50000 € beziffert. Es sind die Fenster St. Ursula und Anbetung der Könige.
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48.37277777777810.896666666667Koordinaten: 48° 22′ 22″ N, 10° 53′ 48″ O

St. Agatha (Dietikon)

Die Kirche St. Agatha ist eine der beiden römisch-katholischen Pfarrkirchen von Dietikon im Kanton Zürich. Sie steht im Stadtzentrum in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Dietikon.

Ab dem 8. Jahrhundert befand sich im Gebiet der heutigen Basi eine erste christliche Kultstätte in Dietikon. Im Dorfkern von Dietikon ist eine Pfarrkirche seit dem Jahre 1089 urkundlich nachgewiesen. Es wird angenommen, dass die Kirche St. Ulrich und Agatha erst gegen Ende des 11. Jahrhunderts erbaut wurde, wahrscheinlich als Filiale der Stadtkirche von Baden. Zur Kirche St. Ulrich und Agatha gehörten im 14. Jahrhundert mehrere Kapellen. So war St. Ulrich und Agatha die Mutterkirche der umliegenden Gemeinden Glanzenberg (1259 an Weiningen ZH abgetreten), Killwangen (1319 an Baden abgetreten), Spreitenbach, Urdorf und Geroldswil. Noch im Jahr 1489 wurde in Urkunden für die Kirche der Hl. Ulrich als erster Titelheilige genannt, später wurde die Hl. Agatha als erste Titelheilige erwähnt und der Hl. Ulrich lediglich noch als Nebenpatron aufgeführt. Das Patronat der Kirche von Dietikon wurde 1257 von Rudolf von Habsburg zusammen mit dem Patronat der Filialen Spreitenbach und Urdorf an das Kloster Wettingen vergabt. Als das Kloster Wettingen im Jahr 1529 den reformierten Glauben annahm, wurden auch in der zum Kloster Wettingen gehörenden Kirche St. Agatha Dietikon die Bilder und Altäre aus der Kirche entfernt und eine Kanzel in den Chor gestellt. Nach der Schlacht bei Kappel 1531 setzten die katholischen Orte die Wiedereinführung des katholischen Glaubens im Kloster Wettingen durch. Im Jahr 1532 wurde deshalb in der Kirche St. Agatha Dietikon wieder der Altar in der Kirche aufgestellt, doch blieb in Dietikon eine reformierte Minderheit bestehen. Durch das Landfriedensgesetz wurde die Kirche St. Agatha beiden Konfessionen zugesprochen. Auch das Pfarrhaus wurde zunächst von einem reformierten und einem katholischen Pfarrer bewohnt. Der reformierte Pfarrer zog sich jedoch bald nach Urdorf zurück, das ganz zum neuen Glauben übergetreten war. Die Ernennung des katholischen und des reformierten Pfarrers geschah jeweils durch den Abt von Wettingen, dem von der Stadt Zürich eine Dreierliste vorgelegt wurde, aus der er zu wählen hatte. Noch vor der Aufhebung des Klosters Wettingen im Jahr 1841 ging im Jahr 1838 das Patronat vom Kanton Aargau an den Kanton Zürich über. Als im Jahr 1803 die Helvetische Republik aufgelöst wurde, erhielt der Kanton Zürich durch die Mediation die beiden katholisch geprägten Gemeinden Rheinau ZH und Dietikon. Die dortigen Pfarreien waren – ab 1863 auch noch mit der Pfarrei St. Peter und Paul in Winterthur – die einzigen, die im sonst reformiert geprägten Kanton Zürich öffentlich-rechtlich anerkannt waren. Diese Sondersituation änderte sich erst im Jahr 1963 im Rahmen einer Volksabstimmung, durch die die römisch-katholische Kirche im ganzen Kanton Zürich anerkannt war.
Der Bau der Spanisch-Brötli-Bahn und die danach einsetzende Industrialisierung hatten einen raschen Anstieg der Bevölkerung von Dietikon zur Folge. Die alte Simultankirche wurde deshalb sowohl für die katholische als auch für die reformierte Gemeinde viel zu klein. Auch waren aus verschiedenen Gründen mehr als zwei Gottesdienste am Sonntagmorgen nicht möglich, sodass die Platzverhältnisse den Bischof von Chur, Georg Schmid von Grüneck an der Firmansprache zu Allerheiligen 1911 zur Aussage brachte: „Spannen Sie alle Kräfte an, um aus dieser Sardinenbüchse herauszukommen“. In den 1910er Jahren wurde deshalb die Beendigung des Simultanverhältnisses von beiden Kirchgemeinden angestrebt, ohne dass man sich jedoch mit der anderen Kirchgemeinde hätte einigen können. Auch war lange nicht klar, welche der beiden Kirchgemeinden die alte Kirche behalten würde. Auf beiden Seiten wurde für den Bau einer je eigenen, neuen Kirche Geld gesammelt und nach geeignetem Bauland Ausschau gehalten. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde 1918 eine Schätzung der Anteile der beiden Kirchgemeinden an der alten Simultankirche vorgenommen. Da die katholische Ausstattung reichhaltiger war, war deren Anteil an der alten Kirche grösser. An einer Abstimmung der reformierten Kirchgemeinde am 23. Januar 1921 entschieden ihre Mitglieder mit 78 von 120 Stimmen, das Auskaufangebot der katholischen Kirchgemeinde anzunehmen. Am 13. September 1925 hielten die reformierten Christen in der alten Simultankirche ihren letzten Gottesdienst und zogen zur Einweihung der neu erbauten reformierten Kirche.
Die katholische Baukommission schrieb zu Beginn der 1920er Jahre einen Architekturwettbewerb aus, von dem die Kommission drei Projekte in die engere Wahl zog, welche von den renommierten Kirchenarchitekten Adolf Gaudy (Romanshorn), Anton Higi (Zürich) und Joseph Steiner (Schwyz) stammten. Pater Albert Kuhn (Einsiedeln) und die Architekten Siegwart (Aarau) sowie Scheyer (St. Gallen) begutachteten die Projekte und empfahlen die Ausführung des Entwurfs von Gaudy. 192 von 224 Stimmberechtigten genehmigten an der Kirchgemeindeversammlung vom 14. Dezember 1924 dieses Bauprojekt. Da die neue Kirche etwa die doppelte Fläche der alten Simultankirche aufweisen sollte, musste der alte Friedhof von Dietikon durch Exhumierungsarbeiten geräumt werden. Im Oktober 1925 wurden mit den Fundamentarbeiten begonnen, während die alte Kirche innerhalb der neuen Fundamente weiterhin in Betrieb war. Am 26. Oktober 1925 fand der erste Spatenstich für die neue Kirche St. Agatha statt. Am Aschermittwoch, dem 17. Februar 1926 fand der letzte Gottesdienst in der alten Kirche statt. Am gleichen Tag wurde die Innenausstattung der alten Kirche in eine hölzerne Notkirche überführt, in der Folgezeit wurde die alte Kirche abgetragen. Am 5. März 1926 wurde der alte Kirchturm gesprengt. Am 11. September 1927 fand die Weihe der neuen St. Agatha-Kirche durch Diözesanbischof Georg Schmid von Grüneck statt. 1939–1940 wurde an der Tramstrasse das Kirchgemeindehaus erbaut. In den Jahren 1976–1977 wurde die Kirche St. Agatha nach Plänen des Architekten Felix Schmid, Rapperswil renoviert. Hierbei wurden auch die Vorgaben der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils definitiv umgesetzt. Aus Veroneser Marmor wurden der Volksaltar, der Ambo und der Taufbrunnen von Albert Wider, Widnau SG geschaffen. Im Seitenschiff links des Chorraumes entstand eine Werktagskapelle mit Tabernakel, Altar und Kreuz für 40 Personen. Neu wurde auch ein Beichtaussprachezimmer geschaffen an Stelle des rechtsseitigen Kapellenraumes an der Ostfront der Kirche. Die linksseitige Taufkapelle wurde zur Marienkapelle umfunktioniert. Ebenso wurde die Sakristei überholt und neu eingerichtet. Am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag, dem 27. März 1977 wurde die erneuerte Kirche von Bischof Johannes Vonderach eingeweiht. 1989–1991 erfolgte der Erweiterungsbau des alten Vereinshauses zum heutigen Pfarrei-Zentrum St. Agatha. 1996–1997 zum 70. Jahrestag der Kirchweihe wurde die Kirche innen gereinigt und der Turm saniert.
Im 20. Jahrhundert war die Pfarrei St. Agatha Mutterpfarrei von drei Pfarreien: Die ab 1900 zu Heilig Kreuz Zürich-Altstetten gehörenden Gebiete von Oberurdorf und Schlieren wurden von 1955 bis 1960 vorübergehend St. Agatha Dietikon zugeschlagen, bis zunächst Bruder Klaus Urdorf und dann St. Josef Schlieren als eigenständige Pfarreien aufgebaut wurden. Da 1968 15‘000 Katholiken in Dietikon und den damals zur katholischen Kirchgemeinde Dietikons zählenden Gemeinden Geroldswil, Oetwil und Fahrweid-Weiningen lebten, wurden innerhalb von Dietikon die Gründung zweier weiterer Pfarreien angestrebt, von denen jedoch nur die eine realisiert wurde. Nicht zustande kam der Aufbau einer Pfarrei St. Ulrich, die den ursprünglichen Patron der Kirche St. Agatha als Kirchenpatron gehabt hätte. Diese Kirche wäre an der heutigen Schützenstrasse 2-8 im Quartier Breiti im Westen von Dietikon zu stehen gekommen. Als zweite Pfarrei der Stadt Dietikon wurde dagegen im Osten der Stadt im Schönenwerdquartier die Pfarrei St. Josef aufgebaut. Anlässlich der Einweihung der neu erbauten Kirche am 19. Oktober 1968 wurde das Gebiet zum Pfarrektorat erhoben und am 3. September 1972, zur eigenständigen Pfarrei ernannt, von St. Agatha abgetrennt. Bereits im Jahr 1956 hatte sich in Geroldswil ein Kirchbauverein gegründet, mit dessen Geld sowie den eingegangenen Kirchensteuern seit der öffentlich-rechtlichen Anerkennung der katholischen Kirche im Jahr 1963 in den 1970er Jahren eine eigene Pfarrei gegründet werden konnte. Im Jahr 1972 wurde im neu erbauten Zentrum von Geroldswil die Kirche St. Johannes eingeweiht. Per bischöflichem Dekret wurden Geroldswil, Oetwil an der Limmat und Fahrweid zu einer Pfarrei zusammengefasst und am 3. September 1972 von St. Agatha Dietikon abgetrennt.
Die Pfarrei St. Agatha Dietikon gehört zusammen mit der Pfarrei St. Josef Dietikon und der Pfarrei St. Josef Schlieren zum Seelsorgeraum Dietikon-Schlieren. Die katholische Kirchgemeinde Dietikon ist mit ihren 9002 Mitgliedern (Stand 2014) eine der grossen katholischen Kirchgemeinden des Kantons Zürich.
Die 1089 erwähnte Pfarrkirche St. Ulrich stand auf dem gleichen Platz, wo heute die St. Agatha-Kirche steht. Diese erste Kirche war dem 973 verstorbenen heiliggesprochenen Bischof von Augsburg geweiht. Die 1926 aufgefundenen ältesten Mauerreste deuten darauf hin, dass die erste St. Ulrichs-Kirche in südöstlich-nordwestlicher Richtung stand, also quer zur heutigen Kirche. Durch die Erweiterung der Kirche nach Westen wurde die Kirche in späterer Zeit geostet. Im Jahr 1606 wurde die mittelalterliche Kirche renoviert, 1658–1659 wurde der Kirchturm, der ein Käsbissendach aufwies, dazu gebaut. Bis 1691 erfolgte eine Vergrösserung der Kirche, um der reformierten Gemeinde mehr Raum zu verschaffen, da die Reformierten von Dietikon, Urdorf, Spreitenbach, Killwangen und Rudolfstetten keine eigenen Kirchen besassen und sich in Dietikon zum Gottesdienst versammelten, während die katholischen Christen dieser Gemeinden über die jeweiligen Kapellen und Dorfkirchen verfügten (mit Ausnahme von Urdorf, das ganz zum neuen Glauben übergetreten war). Im 19. Jahrhundert erhielt die Kirche St. Agatha neugotische Altäre, die von der Firma Alois Hollenstein in Wil SG 1868 gefertigt wurden, sowie 1883 einen neuen Taufstein und drei Glasfenster im Chor. 1874 bekam die Kirche ihre Orgel, ein Instrument der Orgelbaufirma Gebr. Linck in Giengen (Württemberg) mit 13 klingenden Registern. Diese Orgel wurde 1926 nach dem letzten Gottesdienst in der alten Kirche St. Agatha der neu aufgebauten Pfarrei Liebfrauen Hinwil verkauft und war dort bis in die 1970er Jahre in Gebrauch.
Disposition der Linck-Orgel:
Am 3. September 1927 erklangen die alten Glocken der zum Abbruch freigegebenen Kirche zum Empfang der neuen Glocken das letzte Mal. Die grösste Glocke stammte von der Giesserei Johann Jakob Grieshaber in Waldshut. Diese Glocke trug jedoch am Joch die Jahreszahl 1658. Dieser Umstand lässt sich anhand einer Chronik der Pfarrei Urdorf erklären: Diese Glocke war im Jahr 1705 gesprungen und wurde daraufhin umgegossen. Die kleinste und die zweitkleinste Glocke dürften aufgrund ihrer Form und ihrer Inschriften aus 13. bis 14. Jahrhundert zu datieren sein. Nach der Einweihung der neuen Kirche St. Agatha kam das alte Geläut von Dietikon in den Turm der katholischen Kirche Thalwil und tat seinen Dienst bis 1959. Dann wurde von der Glockengiesserei H. Rüetschi, Aarau für die katholische Kirche St. Felix und Regula (Thalwil) ein neues Geläut gegossen. Die drei grösseren Glocken wurden eingeschmolzen, die kleinste wurde ins Museum in Dietikon verbracht und befindet sich heute bei der Abdankungshalle des Friedhofs Guggenbühl in Dietikon.
Der Glockenturm birgt ein sechsstimmiges Geläut, das wie dasjenige der reformierten Kirche Dietikon von der Glockengiesserei H. Rüetschi, Aarau stammt. Drei der sechs Glocken mussten ein zweites Mal gegossen werden. Am 4. September 1927 wurden die Glocken von Bischof Georg Schmid von Grüneck geweiht und anschliessend von der Schuljugend in den Turm aufgezogen.
Architekt Adolf Gaudy beschrieb die Kirche mit folgenden Worten: „Das Schiff der Kirche bildet ein schlichtes Rechteck, dem nach Norden sich der halbrund geschlossene Chor, flankiert von symmetrischen Anbauten für die Sakristei und einen Unterrichtsaum angegliedert. An der Süd- zugleich Hauptfront erhebt sich der wuchtige Turm mit dem Hauptportal. Daran schliessen sich die Seiteneingänge, alle mit Windfängen versehen, und auf jeder Seite je eine kleine Lourdes- und eine Taufkapelle an. Das Rechteck des Schiffes ist im Innern gegliedert durch Säulenreihen, die auf jeder Seite um die Breite der Seitenlänge von der Aussenwand abstehen. Auf diesen Säulen erhebt sich das Tonnengewölbe, das mit einer Scheitelhöhe von 16,50 m das Schiff überspannt. Durch diese Anordnung gewinnen alle Plätze freien Blick zum Chor und zur Kanzel. Die Säulenarchitektur setzt sich am Chorbogen und im Chor fort, wodurch der Raum an Einheitlichkeit gewinnt und in der Perspektive gross wirken wird. Die 804 Sitzplätze zählende Bestuhlung im Schiff ist durch einen Mittelgang und eine Kreuzgang geteilt, auf den die Seitenportale mit eingebauten Windfängen führen. Die von zwei Säulen getragene Empore bietet für eine Sängerchor und etwa 150 Sitzplätze Raum.“
Die Altargemälde stammen von Martin Feuerstein, München (1856–1931). Am linken Seitenaltar ist die Muttergottes dargestellt, am rechten die Heilige Familie mit dem Hl. Josef, am Hauptaltar wird die Himmelfahrt Christi gezeigt. Die Apostelbilder am Kirchengewölbe wurden von Augustin Müller, Wil SG (1864–1943) gefertigt. Dabei ersetzte der Künstler Judas Iskariot durch den Apostel Paulus. Der Kreuzweg ist als enkaustische Malerei von Josef Heimgartner (1868–1939), Altdorf als Kopie eines Werks von Gebhard Fugel geschaffen. Die Glasgemälde stammen von F. W. Zettler (1865–1949), München nach Entwürfen von Gebhard Fugel. Bei der Renovation von 1976 bis 1977 wurden der Volksaltar, der Ambo und der Taufbrunnen von Albert Wider, Widnau SG erstellt.
Empore, Detail
Marienaltar
Apsis
Josefsaltar
Historischer Leuchter
Nach dem Neubau der Kirche wurde auf der Empore eine Orgel der Firma Späth Orgelbau aufgebaut. Es handelte sich um ein pneumatisches Instrument mit Taschenladen, das über 3 Manuale und Pedal verfügte. Die Orgel stand in einer Orgelkammer, die in den Turm hineinreichte. Obwohl diese Orgel technisch noch in Ordnung war, wurde sie im Jahr 1950 dem Zeitgeschmack entsprechend aus musikalischen Gründen durch ein neues Instrument ersetzt.
Disposition der Späth-Orgel
Die heutige Hauptorgel stammt aus dem Jahr 1950 und wurde von der Firma Metzler Orgelbau erstellt. Das Instrument besitzt 42 klingende Register, eine Transmission sowie eine Verlängerung auf drei Manualen samt Pedal. Die Traktur ist elektrisch, die Registratur elektropneumatisch. Die Windladen sind Schleifladen. Die Orgel wurde 1963 und 1994 durch die Firma Metzler und 1976 durch Bernhard Temrau revidiert. 1999 wurde die Orgel erweitert, umgebaut und einer Gesamtrevision durch Metzler Orgelbau unterzogen.
Disposition der Metzler-Orgel:
47.4050481288.404027226391Koordinaten: 47° 24′ 18,17″ N, 8° 24′ 14,5″ O; CH1903: 672869 / 250918

Gerichtsbezirk Nauders

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Der Gerichtsbezirk Nauders war ein dem Bezirksgericht Nauders unterstehender Gerichtsbezirk im politischen Bezirk Landeck (Bundesland Tirol). Der Gerichtsbezirk wurde per 31. Dezember 1920 aufgelassen und das zugehörige Gebiet dem Gerichtsbezirk Ried in Tirol zugeschlagen.
Der Gerichtsbezirk Nauders wurde durch eine Kundmachung der Landes-Gerichts-Einführungs-Kommission aus dem Jahr 1849 geschaffen und umfasste ursprünglich die sieben Gemeinden Graun, Haid, Langtaufers, Nauders, Pfunds, Reschen und Spiß. Der Gerichtsbezirk Nauders bildete im Zuge der Trennung der politischen von der judikativen Verwaltung ab 1868 gemeinsam mit den Gerichtsbezirken Landeck und Ried den Bezirk Landeck.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs musste Österreich 1919 durch den Vertrag von Saint-Germain mehrere Gemeinden des Gerichtsbezirks Nauders an Italien abtreten, wodurch sich dieser stark verkleinerte. Mit Verordnung des Justizministeriums vom 29. November 1920 wurde er in der Folge aufgelöst und die drei bei Österreich verbliebenen Gemeinden Nauders, Pfunds und Spiß dem seit 1895 als Gerichtsbezirk Ried in Tirol bezeichneten Nachbarbezirk zugeschlagen. Die Verordnung trat per 1. Jänner 1921 in Kraft.
Der Gerichtssprengel umfasste vor der Auflösung des Gerichtsbezirkes die drei Gemeinden Nauders, Pfunds und Spiß. Graun, Langtaufers, Reschen und St. Valentin auf der Haid waren hingegen an Italien gefallen.
Bestehende Gerichtsbezirke: Hall in Tirol | Imst | Innsbruck | Kitzbühel | Kufstein | Landeck | Lienz | Rattenberg | Reutte | Schwaz | Silz | Telfs | Zell am Ziller
Aufgelöste Gerichtsbezirke: Fügen | Hopfgarten | Matrei in Osttirol | Mieders | Nauders | Ried in Tirol | Sillian | Steinach
An Italien abgetretene Gerichtsbezirke: Ala | Ampezzo | Arco | Borgo | Bozen | Brixen | Bruneck | Buchenstein | Cavalese | Cembra | Civezzano | Cles | Condino | Enneberg | Fassa | Fondo | Glurns | Kaltern | Kastelruth | Klausen | Lana | Lavis | Levico | Malè | Meran | Mezolombardo | Mori | Neumarkt | Nogaredo | Passeier | Pergine | Primiero | Riva | Rovereto | Sarnthal | Schlanders | Stenico | Sterzing | Strigno | Taufers | Tione | Trient | Val di Ledro | Vezzano | Welsberg

Schloss Rosenborg

Schloss Rosenborg (dänisch: Rosenborg Slot) befindet sich am Rande des Königsgartens (Kongens Have) in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.
Die Geschichte Rosenborgs reicht zurück bis in das Jahr 1606, als Christian IV. mehrere vor den nordöstlichen Wällen liegende Grundstücke kaufte und dort einen Lustgarten, den Königsgarten, (Kongens Have) anlegen ließ. In diesem Garten wurde anschließend ein zweistöckiges Sommerhaus errichtet, das 1607 fertiggestellt war. Dieses ursprüngliche Gebäude lässt sich auch heute noch im südlichen Teil Rosenborgs erkennen.
Zwischen 1613 und 1615 wurde der nördliche Flügel Rosenborgs errichtet und zwischen 1616 und 1624 ein drittes Stockwerk und drei Türme hinzugefügt. Ab diesem Zeitpunkt verwendete Christian IV. den Namen Rosenborg für sein Schloss. Mit dem vom königlichen Baumeister Hans van Steenwinckel der Jüngere 1634 errichteten Turm an der Ostfassade war schließlich die heutige Form erreicht. Mit roten Ziegelsteinen, Dekorationen aus grauem Sandstein und seinen schlanken Proportionen orientiert sich Schloss Rosenborg am Stil der Niederländischen Renaissance.
Rosenborg wurde bis 1710 als königliche Residenz genutzt. 1833 entschloss sich Friedrich VI., das Schloss und die dort aufbewahrten Sammlungen, einst eine Wunderkammer und von 1771 bis 1807 von Lorenz Spengler verwaltet, in ein Museum umzuwandeln, das 1838 eröffnet wurde. Es trägt den Namen Chronologische Sammlung der Dänischen Könige (Dänisch: De Danske Kongers Kronologiske Samling), hier sind unter anderem die dänischen Kronjuwelen ausgestellt.
55.68583333333312.5775Koordinaten: 55° 41′ 9″ N, 12° 34′ 39″ O

Jiří Lála junior

Jiří Lála junior (* 27. Januar 1983) ist ein tschechischer Eishockeyspieler, der zur Spielzeit 2008/09 beim ETC Crimmitschau in der 2. Bundesliga unter Vertrag stand. Lála ist Linksschütze und agiert als Stürmer.
Der Sohn der Eishockeylegende Jiří Lála begann seine Karriere in der Saison 1999/00 in der Nachwuchsabteilung des HC České Budějovice in der Extraliga U-18 in Tschechien. Für den Verein durchlief er ebenso die U-20-Mannschaft, ehe er 2001 für die Profimannschaft in der Extraliga auflief. In der Saison 2003/04 wechselte er in die zweitklassige 1. Liga zum SK Horácká Slavia Třebíč, um nach der Saison für den IHC Písek auf Torejagd zu gehen. Nach diesem Gastspiel ging Lála zu Mörrum GoIS in die Division 1 nach Schweden, für die er in 54 Spielen 84 Scorerpunkte verzeichnen konnte. Für die Saison 2007/08 wechselte er nach Italien in die Serie A2 zum HC Neumarkt Wild Goose. Jiří Lála stand seit dem 18. September 2008 bis zum Ende der Spielzeit 2008/09 bei den Eispiraten Crimmitschau unter Vertrag und absolvierte anschließend ein Probetraining beim VEU Feldkirch.
(Legende zur Spielerstatistik: Sp oder GP = absolvierte Spiele; T oder G = erzielte Tore; V oder A = erzielte Assists; Pkt oder Pts = erzielte Scorerpunkte; SM oder PIM = erhaltene Strafminuten; +/− = Plus/Minus-Bilanz; PP = erzielte Überzahltore; SH = erzielte Unterzahltore; GW = erzielte Siegtore; 1 Play-downs/Relegation)

Publius Cornelius Lentulus (Suffektkonsul 162 v. Chr.)

Publius Cornelius Lentulus war ein römischer Senator, Politiker und Militär des 2. Jahrhunderts v. Chr.
Gnaeus Cornelius Lentulus gehörte zum Zweig der Lentuli der Familie der Cornelier. Er trat erstmals 172 v. Chr. als römischer Gesandter in Griechenland in Erscheinung. Im folgenden Jahr beteiligte er sich als Militärtribun an den Kämpfen gegen den makedonischen König Perseus in Böotien. 169 v. Chr. wurde er mit Publius Cornelius Nasica Kurulischer Ädil. In diesem Amt veranstaltete er erstmals Spiele mit afrikanischen Raubtieren in Rom. Im folgenden Jahr war er erneut Mitglied einer Dreimanngesandtschaft in Griechenland und führte in dieser Position die entscheidenden Gespräche mit Perseus nach der Schlacht von Pydna.
165 v. Chr. wurde Lentulus praetor urbanus. In dieser Funktion fiel ihm die Aufgabe zu, unrechtmäßig besetztes Staatsland (den ager Campanus) gegen eine Entschädigung wieder einzuziehen und auch weiteres Land von Privateigentümern für den Staat anzukaufen. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er drei Jahre später, als er 162 v. Chr. als Nachfolger von Publius Cornelius Scipio Nasica Corculum und an der Seite von Gnaeus Domitius Ahenobarbus den Suffektkonsulat bekleidete. 156 v. Chr. war Lentulus erneut Mitglied einer Gesandtschaft in den östlichen Mittelmeerraum.
Ein Großteil der modernen Forschung identifiziert den Suffektkonsul 162 v. Chr. auch mit einem gleichnamigen Senator, der etwa 125 v. Chr. princeps senatus wurde Er klagte 124 v. Chr. Manius Aquillius, den früheren Statthalter der Provinz Asia, wegen Bestechung an. 121 v. Chr. trat Lentulus auf der Seite der Optimaten bei den Kämpfen gegen Gaius Sempronius Gracchus in Erscheinung und wurde dabei verwundet. Laut Valerius Maximus zog er sich anschließend in ein freiwilliges Exil nach Sizilien zurück und starb dort. Jüngst wurde die These vertreten, dass dieser Lentulus ein gleichnamiger Sohn des Suffektkonsuls 162 v. Chr. war. Er ist auch als Statthalter von Makedonien im Jahr 128 v. Chr. belegt und könnte Suffektkonsul für Marcus Plautius Hypsaeus im Jahr 125 v. Chr. gewesen sein.
Lentulus gilt als einer der markantesten Vertreter der römischen Nobilität des 2. vorchristlichen Jahrhunderts.

Julio Cavestany de Anduaga

Julio Cavestany de Anduaga (* 1883 in Madrid; † 1965 ebenda) war ein spanischer Kunsthistoriker.
Julio Cavestany de Anduaga studierte spanische Geschichte und Kunstgeschichte. Er arbeitete für den spanischen Tourismusverband und Übernahm in dieser Funktion die Reorganisation des Museo Arqueológico de Burgos in Burgos. Für die Exposición Ibero-Americana in Sevilla 1929 gestaltete er den Tourismus-Pavillon. 1935 fand unter der Betreuung durch Julio Cavestany de Anduaga der Wiederaufbau des Hauses statt, in dem Lope de Vega seine letzten Lebensjahre verbracht hatte. Im selben Jahr organisierte er die Ausstellung Floreros y bodegones en la pintura española. Es war die erste große und bedeutende Ausstellung zum spanischen Stillleben. Die anlässlich dieser Ausstellung herausgegebene und infolge des Spanischen Bürgerkrieges erst 1940 veröffentlichte Publikation war bis in die 1960er-Jahre für das spanische Stillleben und für Künstler wie Juan van der Hamen y León maßgeblich. 1941 wurde Julio Cavestany Mitglied der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid. Seit 1951 war er Mitglied im Verwaltungsrat des Museo del Prado. 1952 wurde er dann Direktor des Museo Nacional del Siglo XIX, in dessen Verwaltungsrat er später aufrückte und das später im Museo del Prado aufging. Zwei Jahre später wurde er Vorsitzender der Sociedad Española de Amigos del Arte.

Michal Barinka

Michal Barinka (* 12. Juni 1984 in Vyškov, Tschechoslowakei) ist ein tschechischer Eishockeyspieler, der seit Juni 2014 beim HC Sparta Prag in der tschechischen Extraliga unter Vertrag steht.

Michal Barinka begann seine Karriere als Eishockeyspieler in der Jugend des HC České Budějovice, für dessen Profimannschaft er von 2001 bis 2003 in der tschechischen Extraliga aktiv war. Anschließend wurde er im NHL Entry Draft 2003 in der zweiten Runde als insgesamt 59. Spieler von den Chicago Blackhawks ausgewählt, für die er in der Saison 2003/04 sein Debüt in der National Hockey League gab. In den drei Spielzeiten, in denen der Verteidiger in der Organisation der Chicago Blackhawks unter Vertrag stand, spielte er jedoch hauptsächlich für deren Farmteam aus der American Hockey League, die Norfolk Admirals.
Im Sommer 2006 wurde der Linksschütze von Chicago an die Ottawa Senators abgegeben, für die er allerdings in der folgenden Spielzeit zu keinem Einsatz kam. Nach 17 Spielen für deren AHL-Farmteam, kehrte er in seine tschechische Heimat zurück, wo er vom HC Vítkovice Steel verpflichtet wurde, für den er bis Januar 2011 spielte. Zudem lief er in den Playoffs der Saison 2006/07 in 17 Playoff-Spielen, in denen er drei Vorlagen gab, für den SC Bern in der Schweizer Nationalliga A auf. Mit den Bernern unterlag er in den Finalspielen dem HC Davos in der Best-of-Seven-Serie mit 3:4. Die Saison 2010/11 beendete der Tscheche bei Lokomotive Jaroslawl in der Kontinentalen Hockey-Liga, für die der Linksschütze in 16 KHL-Spielen auf dem Eis stand und acht Punkte erzielte. Im Juni 2011 erhielt Barinka einen Kontrakt für die Spielzeit 2011/12 bei Fribourg-Gottéron.
Für Tschechien nahm Barinka an der U18-Junioren-Weltmeisterschaft 2002, sowie der U20-Junioren-Weltmeisterschaft 2004 teil. Des Weiteren stand er im Aufgebot Tschechiens bei der Weltmeisterschaft 2009.
(Stand: Ende der Saison 2010/11)

St. Nikolaus (Unterammergau)

St. Nikolaus in Unterammergau ist ein Kirchengebäude der römisch-katholischen Kirche. Die Kirche ist dem heiligen Nikolaus von Myra geweiht. Sie ist als Baudenkmal in die Bayerische Denkmalliste eingetragen.

Die Kirche liegt im historischen Ortskern, dem Oberdorf, an der Dorfstraße. Sie ist von einem Friedhof mit Friedhofsmauer umgeben. Die Hauptachse verläuft ungefähr in Nord-Süd-Richtung mit einer Abweichung von circa 20° gegen den Uhrzeigersinn.
In Unterammergau gab es, wie archäologische Untersuchungen ergeben haben, schon im 12. Jahrhundert eine Kirche aus Stein. 1315 wurde diese Kirche erstmals urkundlich erwähnt. Sie war geostet und lag etwa unter dem nördlichen Drittel der heutigen Kirche. Nach der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde ihr Altarraum vergrößert.
Die Neuerrichtung der Kirche begann mit dem Bau eines größeren Turmes 1688. Erst im Frühjahr 1709 wurde mit dem Bau des Kirchenschiffs nach den Plänen des Rottenbucher Chorherren Germanus Pecher begonnen. Die neue Kirche war nicht mehr geostet, sie orientierte sich an dem Verlauf der Dorfstraße, die ihrerseits etwa parallel zur Ammer ungefähr in Nord-Südrichtung verläuft. Geweiht wurde die Kirche am 8. August 1710 durch Johann Franz Eckher den damaligen Fürstbischof von Freising.
Zunächst gehörte die Kirche zu der Pfarrei Oberammergau. 1787 wurde in Unterammergau eine Kuratie errichtet, die 1809 zur Pfarrei erhoben wurde. Zu dieser Pfarrei gehörten außer den Ortsteilen Oberammergaus auch die südlichen Ortsteile Saulgrubs: Wurmansau mit der Kapelle St. Joseph, Altenau mit der Kirche St. Anton und Unternogg. Seit 1992 bilden Ober- und Unterammergau einen Pfarrverband mit Sitz in Oberammergau.
1989/90 erfolgte eine umfangreiche Renovierung des Äußeren und Inneren der Kirche. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Ausgrabungen durchgeführt, die Aufschluss über die mittelalterlichen Bauten gaben.
Das Bauwerk besteht aus vier Bauteilen, die in einer Achse aufgereiht sind. Im Norden steht der 35 m hohe Turm. Über einem viereckigen Sockel erhebt sich ein achteckiger Aufsatz mit Glockenstube und Turmuhr, der einen mit Holzschindeln gedeckten Zwiebelhelm trägt. Nach Süden schließen sich das Langhaus und der Chor mit Apsis an, die ein gemeinsames Satteldach tragen. Südlich an die Apsis ist das niedrigere Sakristeigebäude angebaut.
Das Langhaus hat beidseitig je vier Rundbogenfenster, der Chor je zwei, über denen sich noch zwei ovale Fenster befinden. Die beiden Eingänge zum Langhaus liegen an der nördlichen Schmalseite auf beiden Seiten des Turms.
Das Innere der Kirche ist durch drei Stilrichtungen des 18. Jahrhunderts geprägt: den Barock in der Raumgestaltung und dem Deckenschmuck, das Rokoko in den Altären und der Kanzel sowie den Klassizismus in dem Chorgestühl und dem Taufsteinaufsatz.
Der Kirchenraum hat innen eine Gesamtlänge von 28,80 m. Das Langhaus und der daran anschließende Chor sind durch einen Triumphbogen voneinander getrennt. Das Langhaus ist 10,35 m breit, der Chor 7 m. Das Langhaus hat eine Höhe von 9,10 m. Langhaus und Chor haben beide ein gedrücktes Tonnengewölbe mit Stichkappen zu den Fenstern hin, das Langhaus mit vier Jochen, der Chor mit zwei. Das Gewölbe ist nicht gemauert, sondern aus einer Holzkonstruktion gebildet. Die Wände zwischen den Fenstern sind durch Pilaster gegliedert.
Fünf große Deckenfelder zwischen einander gegenüberliegenden Stichkappen (vier im Langhaus, eins im Chor) und acht Medaillons zwischen benachbarten Stichkappen (sechs im Langhaus, zwei im Chor) sind mit Szenen aus dem Leben des heiligen Nikolaus bemalt. Ein weiteres Deckenfeld im Chor stellt den Heiligen Geist dar. Diese Freskenmalereien wurden von den Oberammergauer Malern Johann Jakob Würmseer und Sebastian Würmseer angefertigt. Die übrigen Teile des Gewölbes sind mit weißem Stuck in Form von Girlande, Blüten, Blättern, Muscheln usw. verziert, der teils auf weißem und teils auf pastellfarbenem (hellgelb, rosa) Untergrund aufgebracht ist. Stuckateur war Francesco Marazzi aus Como.
An der nördlichen Rückwand des Langhauses liegen zwei Emporen übereinander. Die Brüstung der unteren Empore ist mit drei Fresken von Franz Xaver Zwinck bemalt, an der oberen Empore ist das Orgelgehäuse angebracht.
Als Hochaltar wurde ursprünglich ein bereits 1696 für die alte Kirche angefertigter Altar verwendet. 1751–1761 wurde dieser durch einen neuen Altar ersetzt, der von dem Kleinkitzighofener Altarbauer Simon Ganter im Stil des Rokoko errichtet wurde. Das Altarbild zeigt Mariä Aufnahme in den Himmel. Über den Durchgängen seitlich des Altares stehen Figuren der Heiligen Anna und Joachim, der Eltern Marias. Auf beiden Seiten des Chorraums steht ein Chorgestühl aus dem Jahr 1799 im Stil des Klassizismus.
Rechts und links neben dem Übergang zwischen Langhaus und Chor stehen zwei Seitenaltäre von 1768/69, die wie der Hochaltar im Stil des Rokoko gehalten sind. Das linke Altarbild zeigt den Kirchenpatron St. Nikolaus, das rechte die Kreuzabnahme. Beide Altäre haben Tabernakel, neben denen Heiligenfiguren stehen, beim linken Altar Elisabeth und Barbara, beim rechten Altar die Apostel Johannes und Jakobus der Ältere.
An der linken Seitenwand ist die Kanzel angebracht, ebenfalls im Stil des Rokoko, zu der eine Treppe mit Brüstung hinaufführt. Ein vergoldetes Relief am Korb der Kanzel stellt Jesus und Johannes den Täufer als Kinder dar, drei Putten zeigen Symbole der göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe. Auf dem Schalldeckel steht eine Figur des Erzengels Michael. Der Kanzel gegenüber hängt an der rechten Seitenwand ein Kruzifix mit Schmerzensmutter aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Zur übrigen Einrichtung gehören ein barocker Taufstein mit klassizistischem Aufsatz, Figuren der Heiligen Johannes Nepomuk und Antonius von Padua aus dem 18. Jahrhundert und Figuren der Heiligen Augustinus und Nikolaus von Ignaz Degler, die noch von dem alten Hochaltar von 1696 erhalten geblieben sind.
Schon 1787 war die ursprüngliche Orgel durch eine neue ersetzt worden, die ihrerseits 1893 gegen eine zweimanualige Orgel mit zwölf Registern ausgetauscht wurde. Die heutige Orgel mit zwei Manualen und siebzehn Registern stammt von der Münchner Orgelbaufirma Franz März und wurde 1966 gefertigt. Das Orgelgehäuse ist an die Rokokoformen der Altäre angepasst.
In dem Glockenturm hängen vier Glocken. Zwei davon stammen noch aus dem 18. Jahrhundert. Die beiden anderen Glocken waren im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden und wurden durch zwei 1922 gegossene Glocken ersetzt. Den Zweiten Weltkrieg überstanden alle Glocken unversehrt, die abgegebenen Glocken kamen nach Kriegsende zurück.
Mit der Tonfolge E – Gis – H – Cis (große Terz, kleine Terz, große Sekund) entspricht das Glockengeläut der Geläutedisposition des Salve Regina.
47.61382711.028184Koordinaten: 47° 36′ 50″ N, 11° 1′ 41″ O

Lantbert von Lyon

Lantbert von Lyon (* um 625 in der Nähe von Thérouanne; † vermutlich 688 in Lyon; auch: Lambert von Fontenelle) war Abt von Fontenelle und Bischof von Lyon.
Die Lebensbeschreibung des Lantbert ist nur zum Teil überliefert und bricht mitten im Text ab.
In seiner Jugend diente Lantbert am Hofe des Merowingerkönigs Chlothar III., bevor er sich für ein religiöses Leben entschied. Er trat in das Kloster Saint-Wandrille ein und empfing von dessen Gründer Wandregisel die Tonsur. Auf seinem Sterbebett empfahl Wandregisel Lantbert oder Ansbert als seinen Nachfolger. Die Mönche des Klosters wählten daraufhin den älteren Lantbert, ohne dass es zu Konkurrenz oder Missgunst zwischen den beiden kam.
In den Wirren nach dem Tode von König Chlothar III. verhielt sich Lantbert als Abt neutral und konnte dem Kloster so reichhaltige Schenkungen durch den neuen König Childerich II. und der Königin Balthild sichern.
Nach seiner Zeit als Abt (668-677) war er Bischof von Lyon.
Sein Gedenktag (katholisch) ist der 14. April.